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Georg-Büchner-Schule

Standort: Nieder-Ramstädter-Straße 120

Baujahr: 1958-60

Architekt: Hans Schwippert

Baustil: Nachkriegsmoderne

Die Georg-Büchner-Schule an der Nieder-Ramstädter Straße entstand zwischen 1958 und 1960. Entworfen wurde die Schule vom Architekten Hans Schwippert, der zuvor auch das Westdeutsche Bundeshaus in Bonn gestaltet hatte. Sein Entwurf für das neue Realgymnasium war ebenso funktional wie visionär: eine offene, weitläufige Anlage aus miteinander verbundenen Pavillons – das sogenannte Konzept des „Klassenteppichs“.

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Ein visionäres Raumkonzept

Die Schule sollte ursprünglich in der Mornewegstraße entstehen, wurde dann jedoch auf ein großes Gelände an der ehemaligen Flugwiese im Südosten der Stadt verlegt. Auf rund 22.000 Quadratmetern entwickelte Schwippert nach mehreren Vorentwürfen ein Raster aus eingeschossigen Pavillonbauten und offenen Freiflächen. Die sich kreuzenden Flure und Klassenriegel bilden den sogenannten „Klassenteppich“, wodurch den Klassenräumen jeweils gleich große Innenhöfe zugeordnet sind. Diese sollten nach Schwipperts Planung zu Schulgärten gestaltet werden.

Modell der rasterartigen Georg-Büchner-Schule von oben.

Abb. 1: Modell der Georg-Büchner-Schule im Stil des Klassenteppichs.

Blick auf die symmetrisch angelegten raumhohen Fenster der Fassade.

Abb. 2: Blick von außen auf einen der verglasten Gänge.

Große Fenster öffnen die Klassenräume hin zu den Gärten und sorgen neben einem Blick ins Grüne zugleich für ausreichend Tageslichteinfall. Zusätzlich sind die Räume mit Oberlichtern ausgestattet, die für weitere Belichtung sorgen. Die Klassentrakte sind durch gläserne Gänge miteinander verbunden, wobei sich der südliche Gang vom Haupteingang bis zur Turnhalle erstreckt und somit die gesamte Schule durchzieht. Ein zweigeschossiger Kopfbau schirmt die Schule in Richtung der Nieder-Ramstädter-Straße hin ab. Hier befinden sich Verwaltungs- und Fachräume, die bewusst von den Klassenräumen getrennt sind, wodurch sich das Gebäude in zwei Funktionsbereiche gliedert. Die Pausenhalle im Erdgeschoss dient dabei als verbindendes Element und ist zugleich zentraler Treffpunkt von Schülern und Lehrern.  

Gemeinschaft und Offenheit für mehr Freiraum

Mit dem Konzept des Klassenteppichs verfolgte Schwippert die Idee, eine von Natur umgebene Schule als offenen Ort des Zusammenseins zu entwerfen. An Stelle der herkömmlichen Schultypologien sollte eine gemeinschaftlich geprägte Struktur entstehen, in der alle Klassenräume gleichwertig sind. Auf eine Gliederung nach Jahrgängen oder Fachbereichen sowie auf die übliche Unterteilung in Unter-, Mittel- und Oberstufe wurde dabei bewusst verzichtet. Unterstützt wurde dieses Konzept durch den konsequenten Einsatz von Glas und eine offene räumliche Gestaltung, die eine durchlässige Lernumgebung entstehen lässt und das Miteinander in den Vordergrund rückt.

Als Baumaterialien und zur Gestaltung der Außenfassade kamen Stahlbeton und rote Klinkersteine zum Einsatz. Die schmalen, hohen Fenster unterstreichen den klaren, rasterartigen Aufbau. Dies sollte der Schule nach außen hin eine einheitliche und geschlossene Wirkung geben. Um den Bau aufzulockern, wurden die Ziegel unterschiedlich stark gebrannt und unregelmäßig versetzt.

Abb. 3: Das versetzt angeordente und in unterschiedlichen Stärken gebrannte Klinkermauerwerk.

Seitliche Ansicht auf die Klassenriegel, bestehend aus rotem Klinkerstein.

Bauverzögerung und Änderungen am Meisterbau

Der Kopfbau mit großer Uhr in der linken Ecke, umgeben von Hecken und Wiese.

Der Bau der Georg-Büchner-Schule verzögerte sich erheblich. Einerseits kam es aufgrund finanzieller Vorgaben immer wieder zu Differenzen zwischen Schwippert und der Stadt Darmstadt als Bauherrin, sodass zeitweise die Überlegung im Raum stand, den Vertrag mit dem Architekten zu kündigen. Andererseits führten Grundwasserprobleme zu Bauunterbrechungen. So wurde der Grundstein für die Schule zwar schon im Oktober 1956 gelegt, Baubeginn war jedoch erst im Mai 1958. Die Georg-Büchner-Schule wurde schließlich als letzter der fünf Meisterbauten im April 1960 fertiggestellt.

Abb. 4: Blick auf den Kopfbau von der Nieder-Ramstädter-Straße aus.

In der Presse wurde durchaus kritisch hierüber berichtet und so führte das Darmstädter Echo über das „Projekt Sorgenkind“ aus, dass „nach ermüdend langen Grundstücksverhandlungen […] ohne jeden Bauplan ein Grundstein ins Grundwasser versenkt (und anschließend gleich wieder herausgebuddelt [wurde]).“  Auch sei es ein „Schulbau der gemischten Freuden“, der „[…] den Gedanken an einen Fabrikbau aufkommen läßt. Es fehlt das, was an manchem anderen Schulneubau begeistert hat: eine Planung, die sofort an Licht und Raum für die Schüler denken läßt, kurz die Großzügigkeit.“

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Eine weitere Herausforderung stellte schon bald die Größe der Klassen dar. Konzipiert für etwa 1.000 Schüler, wuchs die Zahl der Lernenden zeitweise auf das Doppelte an. Der damit einhergehende Platzmangel führte dazu, dass 1972 auf dem Pausenhof provisorische Pavillons aufgestellt wurden. Drei Jahre später folgte der Anbau eines aus Sichtbeton bestehenden Naturwissenschaftstrakts, der mit dem Design des ursprünglichen Baus bricht. Einen weiteren massiven Eingriff stellte 1980 die Überdachung der beiden an die Eingangshalle angrenzenden Innenhöfe dar. Zwar wurde auf diese Weise Platz für Aufenthaltsräume und eine Bibliothek geschaffen, zusammen mit dem behördlich angeordneten Einbau von Feuerschutztüren verwandelte sich die zuvor lichtdurchflutete Halle somit jedoch in einen dunklen Gang. Die Georg-Büchner-Schule steht wie die übrigen Meisterbauten unter Denkmaschutz.1984 folgte der Bau der großen Turnhalle, die seit 2015 ebenfalls denkmalgeschützt ist.

Der rote Anbau, bestehend aus Sichtbeton.

Abb. 5: Der Naturwissenschaftstrakt.

Turnhalle mit hervorstehendem Dach, getragen von Metallstützen, und Graffitis an der Wand.

Abb. 6: Die neue Turnhalle.

Historische Ansicht auf die Georg-Büchner-Schule von oben in schwarz-weiß.
Kartenansicht der Georg-Büchner-Schule von oben mit roten Markierungen.

Abb. 7/8: Luftbilder von 1960 und 2026 im Vergleich. (1) Überdachte Innenhöfe am Kopfbau (seit 1980), (2) Standort des 1975 entstandenen Naturwissenschaftstrakts, zuvor als Parkfläche genutzt, (3) 1984 errichtete Turnhalle im südlichen Bereich der Anlage.

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Der Architekt Hans Schwippert.

Hans Schwippert

1899-1973

  • Deutscher Architekt der Nachkriegsmoderne

  • Vorsitzender des Deutschen Werkbunds (1950-1963)

  • Beteiligung am Bonner Bundeshaus

  • Vertreter einer demokratischen, funktionalen Architektur

  • Schwerpunkt: Bildungs- und Verwaltungsbauten

Abb. 9: Hans Schwippert.

Eine preisgekrönte Turnhalle

Die Turnhalle wurde 1960 erbaut und 2023/24 umfassend saniert. Ziel war es, die denkmalgeschützte Substanz weitgehend zu erhalten und zugleich den Anforderungen eines modernen Schulbetriebs gerecht zu werden. Originale Bauteile und Ausstattungen wurden aufgearbeitet und nach Vorbild historischer Aufnahmen rekonstruiert. So stammen beispielsweise das Geländer und die Sitzbänke in der Turnhalle sowie die Bänke in den Umkleideräumen aus den 1960er Jahren. Die Wandleuchten im gesamten Gebäude sind ebenso erhalten wie die Fliesen und Türen in den Sanitäranlagen, die entweder Originale oder diesen baugleich nachempfunden sind. Hervorzuheben ist auch der aus roten Klinkern bestehende Boden im Vorraum. Das bereits von der Außenfassade bekannte Element findet sich zudem im Inneren der Turnhalle wieder. Die Sanierung wurde 2025 mit dem zweiten Preis des Hessischen Denkmalschutzpreises ausgezeichnet.

Abb. 10-20: Innenaufnahmen aus der Turnhalle. 

Licht, Kamera, Action!

Das Nachfolgende Video ist ein CAD-Modell der Georg-Büchner-Schule. Entstanden ist das Video im Rahmen der Ausstellung

„Architektur der fünfziger Jahre - Die Darmstädter Meisterbauten“, die vom 27.01. bis 01.03.1998 in der Kunsthalle Darmstadt stattfand. Urheberin ist die Technische Universität Darmstadt, FG Digitales Gestalten.

Hans Schwippert überarbeitete im Laufe der Planungen seinen Entwurf für die Georg-Büchner-Schule mehrfach. Grund dafür waren vor allem die begrenzten finanziellen Mittel, die für den Bau zur Verfügung standen. Das Video zeigt den zweiten Entwurf der Schule, die hier noch als dreigeschossiger Blockbau geplant war. Nach weiteren Anpassungen wurde schlussendlich der siebte Entwurf Schwipperts realisiert, der die Schule in ihrer späteren Form zeigte.

Frühere Entwurfsskizze der Schule.

Abb. 21: Schwipperts zweiter Entwurf diente als Vorbild für das CAD-Modell. 

CAD-Modell der Georg-Büchner-Schule, erstellt von: Nuran Sevimli / Florian Stuckenberg, Studienarbeit am FG Digitales Gestalten, Technische Universität Darmstadt, 1997.

1: Schmidt, Klaus: Projekt Sorgenkind, in: Darmstädter Echo, 25.02.1958. StadtA DA, Best. 62, Nr. 11/2 GBS.

2: Kögler, Hans-Egon: Schulbau der gemischten Freuden, in: Darmstädter Echo, 27.06.1959. StadtA DA, Best. 62, Nr. 11/2 GBS.

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