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Ludwig-Georgs-Gymnasium

Standort: Nieder-Ramstädter Straße 2

Baujahr: 1953-55

Architekt: Max Taut

Baustil: Nachkriegsmoderne

Das Ludwig-Georgs-Gymnasium wurde auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Waisenhauses errichtet, das im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Nach dem Entwurf des Berliner Architekten Max Taut entstand hier ein funktionaler Bau, der Reformpädagogik und moderne Architektur miteinander verbinden sollte, um so eine auf die Bedürfnisse der Schüler angepasste Lernumgebung zu schaffen.  

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Erste Planungen und ein ganzheitlicher Ansatz

Das Ludwig-Georgs-Gymnasium, benannt nach Landgraf Ludwig V. und dessen Sohn Georg II., wurde 1629 gegründet und ist somit das älteste Gymnasium Darmstadts. Die Schule befand sich bis 1830 im Pädagog, dessen Überreste Rudolf Schwarzer in seinem nicht-realisierten Meisterbauentwurf für die Mädchenschule mit einband, und zog anschließend in das ehemalige städtische Waisenhaus. Für die Neuerrichtung des Gymnasiums verzichtete Taut bewusst auf die Einbeziehung der Vorgängerruine und konzipierte stattdessen eine Freiluftschule, die Offenheit bringen und ein Lernen in der Natur ermöglichen sollte. 

Zeichnung des ehemaligen Ludwig-Georgs-Gymnasium um 1860.

Abb. 1: Das Ludwig-Georgs-Gymnasium um 1860.

Aufgrund der beengten innerstädtischen Lage entwarf Taut zunächst eine Kombination aus Freiluftschule und Geschossbau. Dabei war für Unter-, Mittel- und Oberstufe jeweils ein eigener Trakt vorgesehen. Durch eine versetzte Anordnung der Klassenräume im Unter- und Mittelstufenbau sollten im ersten Stock offene Dachterrassen für den Freiluftunterricht entstehen. Zudem war geplant die Flachdächer zu begrünen und so zu Dachgärten umzufunktionieren. Die Klassenzimmer selbst sollten nach dem pädagogischen Vorbild Pestalozzis* als „Wohnstuben“ gestaltet werden und sich in Klassen- und Gruppenräume aufteilen. Über Eck angeordnete Fenster, Fenstertüren sowie Oberlichter würden für ausreichend Tageslichteinfall sorgen und den Bau als solchen auflockern. Der angrenzende Oberstufenbau umfasste neben kleinen Loggien eine große, offene Pausenhalle. In dem daran anknüpfenden vierstöckigen Hauptbau sollten die Verwaltung, Fachräume sowie eine Aula untergerbacht werden. Zudem sah Taut für das Dach eine kleine meteorologische Station mit Sternwarte vor. 

Modell des ersten Schulentwurfs mit versetzten Baukörpern für die Klassen.
Modell des ersten Schulentwurfs, seitliche Ansicht.

Abb. 2/3: Der erste Entwurf sah versetzte Bauelemente vor, die der Schaffung von Freiluftklassen dienen sollten.

Der Pädagoge und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi

*Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) war ein Schweizer Pädagoge und Sozialreformer, der die moderne Erziehung stark prägte. Er vertrat den ganzheitlichen Ansatz, dass Bildung den ganzen Menschen fördern solle – mit Kopf (Denken), Herz (Fühlen) und Hand (praktisches Tun). Durch eine liebevolle Erziehung und ein unterstützendes Umfeld würden Kinder aus eigenen Erfahrungen lernen und sich zu selbstständigen, verantwortungsvollen Menschen entwickeln. Schulen sollten daher eher wie ein Zuhause wirken und durch helle, übersichtliche Räume zum Wohlbefinden der Kinder beitragen sowie Raum zum Denken, Ausprobieren und Zusammenarbeiten schaffen.

Abb. 4: Johann Heinrich Pestalozzi.

Das finale Konzept unter Neuordnung der Baukörper

Der erste Entwurf wurde als zu kostenintensiv abgelehnt, weshalb die überarbeitete Version einige erhebliche Änderungen auswies. So wurden die Klassenräume der Oberstufe im nun fünfgeschossigen Hauptgebäude untergebracht, während die Verwaltung in den zweigeschossigen Nachbarbau einzog. Anders als zuvor geplant, grenzte dieser Haupttrakt nicht mehr an den Unter- und Mittelstufenbau an, sondern befand sich nun parallel hierzu. Die Loggien für die Oberstufe entfielen vollständig, ebenso wie das Observatorium. Die Rücksprünge im Unter- und Mittelstufentrakt wurden durch eine geschlossene, zweigeschossige Bauweise ersetzt, bei der die Freiluftbereiche zwar erhalten blieben, jedoch zu überdachten Loggien umfunktioniert wurden. Ein weiterer angrenzender Gebäudetrakt, der das Gelände zur Nieder-Ramstädter-Straße hin abschirmt, umfasst die überdachte Pausenhalle und verbindet zugleich den Unter- und Mittelstufentrakt mit dem Hauptgebäude. Im südwestlich gelegenen Bau an der Kurve sind zudem die Turnhalle sowie die Aula untergebracht. Es folgte eine weitere Überarbeitung des Entwurfs, die jedoch lediglich geringfügige Änderungen enthielt. Hierzu zählten die Ergänzung eines weiteren Eingangs an der Nordseite des Hauptgebäudes sowie kleinere gestalterische Anpassungen. Die endgültige Entwurfsfassung lag im März 1953 vor.

Überarbeitetes Modell des Gymnasiums mit dem Hauptgebäude im Hintergrund.
Das Ludwig-Georgs-Gymnasium in der Vogelperspektive mit Blick auf den langen Trakt.

Abb. 5/6: Der überarbeitete Entwurf weist eine neue Raumaufteilung auf.

Ein Bauwerk aus Struktur, Licht und Farbe

Das aus Stahlbeton bestehende Hauptgebäude wurde als Rahmenkonstruktion errichtet und gliedert sich dadurch in rechteckige Felder. In jedem dieser Felder befinden sich jeweils zwei nebeneinanderliegende Fenster, die in rot, weiß, schwarze Stahlrahmen eingefasst sind. Die Fassade ist mit gelben, versetzt zu einander verlaufenden Keramikfliesen verkleidet. Betonstege untergliedern den Bau horizontal und machen den Verlauf der einzelnen Stockwerke sichtbar. An den Hauptbau angrenzend befindet sich das vollständig verglaste Treppenhaus mit Aussichtsplattform und überragt diesen. Der parallel verlaufende Unter- und Mittelstufenbau ist ebenfalls als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Hier umfasst jedes rechteckige Feld drei Fenster, deren Rahmen identisch zu denen des Hauptgebäudes gestaltet sind. Die horizontale Gliederung der Stockwerke wird durch vertikal verlaufende Glasbausteine unterbrochen, die zugleich die Lichtöffnungen der Gruppenräume bilden. Der Bau unterteilt die Freifläche in zwei Pausen- bzw. Sporthöfe. 

Blick auf das Gymnasium mit der gelb gefliesten Fassade, in der Mitte das verglaste Treppenhaus.

Abb. 7: Die Fassade ist geprägt von zahlreichen Fenstern und gelben Keramikplatten, das verglaste Treppenhaus überragt das Hauptgebäude.

Eine von schmalen Stahlstützen getragene Pausenhalle verbindet den Oberstufenbau mit dem Unter- und Mittelstufentrakt, wobei das Stahlbetondach mit lichtdurchlässigen Glasbausteinen versehen ist. Kunstwerke ergänzen die Anlage sowohl im Außen- als auch im Innenbereich. Dazu zählen unter anderem die im Außengelände aufgestellten Plastiken „Sitzender Schüler“ von Helmut Brinckmann sowie die Büste des ehemaligen Schülers Karl Plagge. Im Inneren finden sich zudem Werke wie Mosaiken, ein Sgraffito-Fries und Wandgemälde.

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Der Architekt Max Taut.

Max Taut

1884-1967

  • Deutscher Architekt der Moderne

  • Mitglied der Architektenvereinigung „Der Ring“ (1926-33)

  • Mitbegründer der Hochschule der Künste (seit 2001 Universität der Künste Berlin)

  • Vertreter einer sachlichen, funktionalen Architektur

  • Schwerpunkt: Gewerbe- und Verwaltungsbau, Schulbau

Abb. 15: Max Taut.

Sanierungen bis in die Gegenwart

Bereits kurz nach der Eröffnung kam es zu ersten Änderungen am Gebäude. Die offenen Freiluftklassen wurden 1962 geschlossen, da Straßenlärm und steigende Schülerzahlen eine Nutzung erschwerten. Ebenso erwiesen sich die Flachdächer schon früh als undicht und führten zu mitunter schweren Wasserschäden. So berichtete das Darmstädter Echo schon kurz nach der Eröffnung der Schule, dass aufgrund der Nässe „in mehreren Räumen des Ostflügels der Putz flächenweise von den Decken bröckelt, die Feuchtigkeit sich bis in die Wände zieht, der Parkettboden sich wölbt und daß die Deckenbeleuchtung in einigen Räumen unbrauchbar ist. Es zeigen sich in allen Stockwerken dieses Flügels Risse in den Betonträgern, die nur unter sehr großem Aufwand an Zeit und Material beseitigt werden können.“  

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Ludwig-Georgs-Gymnasium

Der Haupteingang der Schule, auf den Glastüren die Buchstaben LGG.

Abb. 17.: Zahlreiche weitere Sanierungen folgten, die jüngste wurde 2025 abgeschlossen.

Das Gymnasium von der Seite, Blick auf die Fassade mit vielen symmetrischen Fenstern.

Abb. 16: Das Gymnasium musste bereits kurz nach der Eröffnung saniert werden.

Ähnliche Schäden entstanden auch an der Turnhalle, wo ebenfalls Wandfeuchtigkeit und Trägerrisse festgestellt wurden. Ein Problem, das auch in den Folgejahren immer wieder auftrat und zu etlichen Sanierungen am seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Gymnasiums führte. So wurde beispielsweise 2006 das mit Glasbausteinen versehene Dach der Pausenhalle mit einer zweiten, transparenten Dachhaut überzogen, da es im Laufe der Zeit ebenfalls undicht geworden war. Es folgten weitere Anpassungen, wie die Modernisierung des Brandschutzes, die energetische Erneuerung von Fenstern und Sonnenschutz sowie die Nachrüstung der Flucht- und Rettungswege. Die jüngste Sanierung wurde 2025 abgeschlossen und umfasste neben der vollständigen Modernisierung des Foyers auch die Schaffung barrierefreier Zugänge.

Licht, Kamera, Action!

Das Nachfolgende Video ist ein CAD-Modell des Ludwig-Georgs-Gymnasiums. Entstanden ist das Video im Rahmen der Ausstellung „Architektur der fünfziger Jahre - Die Darmstädter Meisterbauten“, die vom 27.01. bis 01.03.1998 in der Kunsthalle Darmstadt stattfand. Urheberin ist die Technische Universität Darmstadt, FG Digitales Gestalten.

CAD-Modell des Ludwig-Georgs-Gymnasiums, erstellt von: Hüseyin Turan / Florian Stuckenberg, Studienarbeit am FG Digitales Gestalten, Technische Universität Darmstadt, 1997.

1: „Viele schwerwiegende Bauschäden“, in: Darmstädter Echo, 29.09.1956. StadtA DA, Best. 62, Nr. 11/2 LGG.

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